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Hotel ohne Grenzen

4. August 2010

GESUNDBRUNNEN. Am 1. August hat hinter dem Mauerdokumentationszentrum in der Bernauer Straße ein Hotel aufgemacht, in dem überwiegend Menschen mit Behinderungen arbeiten.

Hotel Grenzfall steht an dem neuen Eingangsbereich vor dem früheren Altenpflegeheim in der Ackerstraße 136. Der Name passt natürlich bestens zur eingerissenen Mauer, die wenige Meter weiter in der Bernauer Straße Berlin zerschnitt. Doch vor allem soll mit dem Wort Grenzfall die Philosophie des Hauses beschrieben werden. „Bei uns fallen die Grenzen zwischen Behinderten und Menschen ohne Behinderungen“, sagt Hotelchef Reinhardt Burghardt von der gemeinnützigen Grenzfall GmbH, einer Tochter des Vereins Schrippenkirche, der sich seit über 128 Jahren um die Ärmsten und Schwächsten kümmert.

In dem Gebäudekomplex gibt es ein Wohnheim für geistig Behinderte. 48 Menschen leben hier. Das Grenzfall-Hotel ist in dem ehemaligen Altenpflegeheim auf der rechten Seite entstanden. Das Altenheim mit ehemals 55 Plätzen war nicht mehr rentabel; kleine Häuser haben auf dem Altenpflegemarkt kaum noch eine Chance.

Die Schrippenkirche hatte deshalb vor zwei Jahren die Idee, ein Integrationshotel in den Räumen zu errichten. Das Altenheim wurde für rund zwei Millionen Euro zum komplett barrierefreien Hotel umgebaut. Die Hilfsorganisation Aktion Mensch hat das Integrationsprojekt mit 250 000 Euro unterstützt. Es gibt 36 Doppelzimmer und zwei Tagungsräume. Die ehemalige Hausmeisterwohnung wurde zum Familien-Appartement mit zwei Schlafzimmern, Bad und großem Balkon ausgebaut.

Im Hotel Grenzfall, im dazugehörigen Restaurant Grenzfall und dem bereits im April eröffneten Bistro Grenzfall arbeiten runda 40 Menschen. Das Besondere: 25 davon sind behindert und bekommen hier die Chance auf einen ganz normalen Job „zu ordentlichen Tarifen“, wie Burghardt betont. Weil die gemeinnützige Hotel GmbH keine Gewinne erwirtschaften müsse, könne sie die Frauen und Männer als Zimmermädchen oder Küchenhilfen beschäftigen. Andere Hotels geben solche Arbeiten an Drittfirmen, um die Kosten erheblich zu drücken.

Vorbild für das Integrationshotel ist das Stadthaushotel Hamburg. Es war 1993 das europaweit erste Hotel, das überwiegend Behinderte beschäftigt. Mittlerweile gibt es deutschlandweit über 30 Integrationsbetriebe der Hotellerie. Elf haben sich in dem Verbund Embrace-Hotels zusammengeschlossen, um Erfahrungen auszutauschen und die Begegnung zwischen Menschen mit und ohne Behinderung zu fördern. Auch das Berliner Grenzfall- Hotel engagiert sich in dem Verbund. Infos unter www.hotel-grenzfall.de. DJ

Quelle: Berliner Woche vom 4. August 2010

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