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Gutes Geschäft

9. July 2012

Aus DER TAGESSPIEGEL vom 08.07.2012 (von Jens Uthoff): Soziale Unternehmer setzen auf Nachhaltigkeit statt auf hohe Gewinne. Zwei Berliner Beispiele zeigen, wie man mit wenige Geld viel Nutzen schaffen kann.

Im Hotel Grenzfall in Mitte kommt die Kellnerin nun schon zum zweiten Mal und fragt nach, ob ein Latte Macchiato oder ein Cappuccino bestellt wurde. „Dann merken die Leute, dass irgendwas anders ist bei uns“, sagt Reinhardt Burkhardt, Geschäftsführer des Hotels. „Unsere Mitarbeiter bieten vielleicht einen etwas langsameren, aber umso herzlicheren Service.“ Warum es hier etwas länger dauert? Im Grenzfall arbeiten zu 70 Prozent Menschen mit Behinderung.

Burkhardt ist sozialer Unternehmer und spiegelt damit einen gesellschaftlichen Trend wider: Immer mehr Sozialprojekte gehen auf privatwirtschaftliche Initiativen zurück, die teils auch staatlich gefördert werden.

Das Grenzfall ist eine gGmbH unter dem Dach der Schrippenkirche. Die Menschen mit Behinderung, die hier arbeiten, bedienen im Café oder leisten den Zimmerservice, sie arbeiten in der Küche oder im geräumigen Garten des Hotels. Und sie betreuen Gäste vom Daimler-Vorstand bis zum Bundestagsabgeordneten. Gleichzeitig verdienen sie nach Tarif des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes. So erhalten sie trotz ihrer Behinderungen die Möglichkeit, außerhalb von Behindertenwerkstätten zu arbeiten.

Der Service ist angenehm anders: „Unsere Angestellten sind einfach von ihrem Naturell her freundlich – und das merken die Leute.“ Knapp zwei Jahre nach der Eröffnung ist das Hotel bei einer schwarzen Null angelangt, die Auslastung liegt bei 50 Prozent. „Wir sind ein ganz normales 3-Sterne-Hotel, das mit anderen Wettbewerbern auf dem Markt konkurriert“, sagt Burkhardt. „Nur dass wir eben etwas für behinderte Menschen tun wollen.“

Integrationshotels sind ein idealtypisches Beispiel für soziales Unternehmertum: In Deutschland gibt es seit 2007 den Verbund Embrace Hotels, in dem sich inzwischen über 30 Häuser mit integrativem Ansatz zusammengeschlossen haben. Burkhardt war vorher in einer Alten- und Behinderteneinrichtung der Schrippenkirche tätig. Als die Auslastungszahlen nach unten gingen, kam er über das bundesweite Vorbild, das Hamburger Stadthaushotel, er auf die Idee, so etwas in Berlin auf die Beine zu stellen.

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